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Gib den Leisen eine Stimme - Von Intros und Extros

Geschrieben von Inge Osthoff am 18. Mai 2016
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Dr. Sylvia Löhken, Expertin der Persönlichkeitstypologie, hat mit ihren Büchern "Leise Menschen – starke Wirkung" und "Intros und Extros" wesentlich dazu beigetragen, dass introvertierte Persönlichkeitstypen mit all ihren Stärken, Eigenschaften und Fähigkeiten wahrgenommen werden. Darüber hinaus legt sie dar, wie intro- und extrovertierte Menschen voneinander profitieren können – sowohl im Berufsleben, als auch im Privaten.

In meiner Tätigkeit als Consultant, Trainerin und Coach begegnen mir immer wieder leise Menschen, weshalb mich die Frage umtreibt: Was kann hier Abhilfe schaffen?

Im folgenden Blog berichte ich von Maria (Intro) und Anita (Extro) und davon, wie sie voneinander proftieren konnten.

 

Maria hat ihren Traumjob gefunden

Maria kommt im Café, in dem wir uns verabredet haben, strahlend auf mich zu. Im Buggy sitzt ihre zweieinhalbjährige Tochter und quietscht vergnügt vor sich hin. Voller Begeisterung legt Maria gleich los und berichtet mir von Ihrer neuen Stelle, die sie vor 3 Monaten angenommen hat. Sie hat ihren neuen Traumjob gefunden: 4 Tage halbtags von Montag bis Donnerstag; Freitag hat sie frei. Bei hohem Arbeitsanfall kommt sie ihrem Chef entgegen und arbeitet auch am Freitag. Dafür ist ihr neuer Chef sehr verständnisvoll, wenn ihre kleine Tochter krank ist. Sie kann ohne Probleme zu Hause bleiben und sich um ihre Tochter kümmern, wenn sonst keine Beaufsichtigung möglich ist. Ihre Begeisterung, ihr Optimismus und ihr Elan waren einfach umwerfend.

 

Anfangs war Maria sehr verunsichert

Wenn ich Maria jetzt so sehe, dann geht mir sofort durch den Kopf, wie wir uns kennengelernt haben. Wo war die schüchterne und sehr verunsicherte Maria geblieben, die ich zu Anfang vor mir hatte?

Maria habe ich durch den Start einer Transfergesellschaft kennengelernt. Schon während der Gruppenphase wirkte sie sehr verunsichert. Dieser Eindruck hat sich in der Einzelberatung weiter verstärkt. Durch Ihren Mann, der eine leitende Funktion in einem süddeutschen Unternehmen bekleidet und durch ihre Heirat, hatte es Maria aus einer norddeutschen Großstadt in den Süden verschlagen. Ihre Tochter machte das kleine Glück perfekt.

Noch während ihrer Elternzeit erreichte Maria die Hiobsbotschaft, dass ihr Arbeitgeber den Standort schließen wollte und dieses auch ein gutes Jahr später realisierte. Wie Maria mir dann im Einzelgespräch berichtete, war für sie ihre kleine heile Welt zusammengebrochen.

 

Einzelgespräche und Workshops versprechen Abhilfe

Ihr Mann war beruflich sehr viel unterwegs, durch ihre kleine Tochter fühlte sie sich ans Haus gebunden, ihre Familie, ihre Freunde weit weg, in der Kleinstadt hatte sie nie richtig Anschluss gefunden – und jetzt war auch noch ihr Arbeitsplatz wegrationalisiert. Maria war am Boden zerstört! Ihre kleine Welt war komplett aus den Fugen geraten. Sie fühlte sich allein und von allen im Stich gelassen. Das Gespräch zeigte, dass sich diese negative Energie bei Maria nach innen richtete. Auch wenn sie es nicht zeigen wollte – ihre Körpersprache und auch die leise Stimme, mit der sie mir alles erzählte, sprachen Bände.

In der Folgezeit waren für Maria die Einzelgespräche sehr wichtig, weil sie vorbehaltlos von ihren inneren Nöten und Sorgen erzählen konnte, ohne dass diese von ihrem Gegenüber bewertet wurden. Noch wichtiger: In den Workshops blühte Maria regelrecht auf. Bei der Bearbeitung von Aufgaben war immer wieder ihr ansteckendes Lachen zu hören. Sie wirkte ausgeglichen und ihre Augen strahlten.

 

Die Potenziale der stillen Menschen aufdecken

Immer wieder begegnen mir in meinem Arbeitsalltag leise Menschen, die zwar viel zu sagen haben, sich aber vor lauter Zurückhaltung nicht trauen! Deshalb treibt mich schon lange die Frage um, wer oder was kann hier Abhilfe schaffen?

Als GABAL-Mitglied erhielt ich vor einigen Jahren mal wieder einen Katalog mit Buchvorschlägen. Mehr oder weniger interessiert blätterte ich den Katalog durch und stieß auf das Buch von Dr. Sylvia Löhken "Leise Menschen – starke Wirkung". Ich war elektrisiert. Das wollte ich unbedingt sofort lesen! Sylvia Löhken spricht vor allem von den 10 Stärken und den 10 Hürden, die introvertierte Menschen auszeichnen.

Das konnte ich sehr gut für meine tägliche Arbeit gebrauchen. Denn immer wieder habe ich erlebt, wie sich die extrovertierten in den Mittelpunkt stellen können. Was ist mit den stillen im Lande? Wo liegen deren Potenziale?

 

Wie Intros und Extros voneinander profitieren

Noch einmal zurück zu Maria. Im Verlaufe der Zusammenarbeit fiel mir bei den Einzelgesprächen und gerade bei den Gruppenarbeiten auf, dass sie sehr gut zuhören konnte. Sie hörte sich alle Argumente an, wog das Für und Wider ab, stellte nach einigem Nachdenken kluge Frage und kam so zu guten Lösungen.

Bei den Gruppenarbeiten verhielt sich Maria ähnlich. Sie sorgte dafür, dass zunächst alle aus der Arbeitsgruppe die Aufgabenstellung lasen und dann handelten. Allerdings fiel auch auf, dass ihre Zurückhaltung von den anderen in der Gruppe manchmal als zu passiv abgetan wurde. Wenn Maria dann ein entsprechendes Feedback bekam, wirkte sie verunsichert und zog sich in ihr Schneckenhaus zurück. Es dauerte dann eine ganze Weile, bis sie da wieder raus war.

Nach einem Workshop kam Maria mit Anita ins Gespräch. Anita war sozusagen das Gegenteil von Maria. Sie war ein sehr offener, tatkräftiger Mensch, der sich mit Mut und Begeisterung neuen Herausforderungen stellte. Wenn Anita so richtig aufdrehte, konnte sich das jedoch ins Gegenteil verkehren. Sie wirkte dann auf andere oberflächlich und impulsiv. Maria traute sich zu sagen, dass sie sich dann oftmals von diesem Verhalten in die Enge gedrängt und überfahren fühlte. Maria sagte aber auch ganz spontan, dass sie sich gerne von den Anitas Stärken eine Scheibe abschneiden würde.

 

» Ich sehe noch den verblüfften Gesichtsausdruck von Maria als Anita meinte, dass sie gerne mehr von Marias Fähigkeit „Zuhören“ hätte. «

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Mit der Veränderung beginnen

Uns dreien kam dann ein Geistesblitz! Wie wäre es, wenn wir in einem Workshop erarbeiten, welche Stärken und Hürden eher leise introvertierte Menschen und welche Stärken eher laute extrovertierte Menschen haben. Sehr wichtig war uns allen dabei, wie und was können die leisen und lauten Menschen voneinander lernen? Aber auch, was wünschen sich leise und laute Menschen, was der andere ändern sollte?

Wir waren uns ganz sicher und von einem felsenfest überzeugt: Wenn den leisen und lauten Menschen ihre Stärken und Hürden bewusst sind oder gemacht werden, dann können beide Seiten einfach nur voneinander profitieren.

Lassen Sie uns gleich mit den Veränderungen beginnen, dann haben alle etwas von dieser Win-win-Situation. Wenn wir alle bereit sind, etwas über die Natur des anderen zu lernen, erst dann wird der Einzelne einen großen Nutzen davon haben. Aber nicht nur der Einzelne sondern auch ganze Organisationen werden von diesem Zusatznutzen profitieren.

Maria hat durch dieses Seminar auf jeden Fall vor allem an Selbstbewusstsein gewonnen. Sie weiß, auf welche eigenen Stärken sie bauen kann und welche Hürden sie fest im Blick haben sollte.

Wenn Sie mehr über die Stärken und Hürden insbesondere leiser, aber auch lauter Menschen wissen wollen, dann können Sie uns gerne kontaktieren oder Ihr Interesse für ein offenes Seminar bekunden...

Mit einem Klick auf die Sprechblase gelangen Sie zur Anmeldung!

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Und, im nächsten Blog geht es um die Frage, gibt es auch Menschen, die beides miteinander verbinden können? Freuen Sie sich schon jetzt auf den Beitrag über sogenannten Zentros!

Kategorien: Veränderung, Selbstreflexion, Beratung