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Schöne Neue Welt: Messen als Spiegel der Business-Seele?

Geschrieben von Martin Bergmann am 02. Juni 2016

Wie können wir nur unsere Reichweite erweitern? Wie erfahren unsere zukünftigen Kunden eigentlich von unseren tollen Dienstleistungen? Brauchen wir "Werbung"? Wie können wir unser Netzwerk erweitern? Essenzielle Fragen, wenn es darum geht, sich zu erweitern und gemeinsame Unternehmungen wachsen zu lassen...

Schnell wurde klar, dass unser aktueller Weg des Inbound Marketing genauso langfristig wie nachhaltig ist. Inbound Marketing heißt, mit Inhalt für Aufmerksamkeit zu sorgen und potenzielle Interessierte im weiteren Verlauf über gegenseitigen Vertrauensaufbau zu Kund*innen zu "machen" (Verkäufer*innen sagen dazu auch "qualifizieren"). Welche Maßnahmen helfen also auch kurzfristig unser Netzwerk zu erweitern? Genau, relevante Fachmessen.

Kaum gesagt, waren wir schon angemeldet. Im Mai durften wir nun zum ersten Mal als Aussteller auf einer Fachmesse, der Personal Süd, aktiv werden. Mit einem sehr aktiven Messekonzept, um auch etwas bieten zu können, reisten wir also an. Von einem interaktiven iPad-Quiz, über ein Mini-Seminar bis hin zu Dosenwerfen - mit dem Ziel antiquierte Unternehmensstrukturen "abzuwerfen" (siehe Foto) - hatten wir allerhand im Gepäck. Unser Ziel: Positive neue Kontakte herstellen (Wie das im Gespräch geht? - hier klicken) um so eine erfolgreiche Messe zu erleben.

Ich möchte hier aus zwei Perspektiven kurz Resümee ziehen und unseren Messebericht verfassen. Perspektive 1 ist "Wieso wir als Aussteller wiederkommen werden!". Der zweite Teil dieses Beitrages setzt sich trotzdem etwas kristischer mit dem Konzept der Messe auseinander und beschreibt: "Was wir an Messen gern verändern würden!"

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Wieso wir als Aussteller wiederkommen werden:

Improwe kommt aus drei Gründen wieder:

  1. Wir haben viele anregende Gespräche geführt, teilweise verweilten die Besucher*innen über 30 Minuten an unserem Stand, um sich über alles zu informieren.
  2. So eine Messe schärft auch die eigenen Schwerpunkte: Was wollen wir präsentieren? Wie wollen wir auftreten? Was macht uns am meisten aus?
  3. Wir haben für unseren "Improwe Style" tolles Feedback erhalten und freuen uns schon auf die Gespräche in der Nachbearbeitung.

 

Was wir an Messen gern verändern würden:

Was macht uns aus? Wie wollen wir uns präsentieren? Gängige Leitfragen, nicht nur in der Vorbereitung einer Messe, sondern generell. In diesem Zusammenhang lässt sich so eine Messe, auch hinsichtlich der unterschiedlichen Akteure einer solchen Zusammenkunft, betrachten. Folgende drei Anmerkungen resultieren ausschließlich aus der subjektiven Wahrnehmung. Und los gehts:

1. Sex sells!

Aber wem verkaufe ich denn da meine Dienstleistung, mein Produkt?

Mit Überraschung stellten wir fest, wie sehr dieser Wahlspruch sogar auf einer Personal-Messe zum Vorschein kommt. Damit sind nicht nur die vereinzelt auffindbaren, sehr aufreizend angezogenen, fast ausnahmslos weiblichen Messe-Hostessen und/oder Messe-Models gemeint. Das fängt leider bei den übergroßen ausgedruckten Messewänden einiger Stände an, auf denen hübsche junge Menschen zu sehen sind, wobei die weiblichen Foto-Models übrigens immer einen körperlichen Reiz darstellen (Dekolleté, Beine, o. ä). Was bringt es denn, wenn mittlerweile jede Stellenanzeige durchgegendert sein muss, aber die großen Jobbörsen als Aussteller ihre Messe-Mitarbeiter*innen mit sehr engen Klamotten ausstatten, die zeigen sollen: "Bei uns finden Sie als Arbeitgeber*in nur junge, gesunde neue Mitarbeiter*innen!".

Unsere Reflexionsfragen ans Business:

  • Wie lange gibt es wohl noch Kund*innen, die auf so eine Art Werbung abfahren und deswegen Trainings oder Seminare einkaufen?
  • Wie fühlen sich eigentlich die Menschen, die den ganzen Tag im knappen Outfit auf und ab laufen müssen und dabei ihren Körper als Werbebotschaft vermieten?
  • Fördere ich eigentlich mit dieser Art und Weise Diskrimierungen und Sexismus oder Gleichberechtigung und Offenheit?

Unsere konkreten Gedanken für die Messe der Zukunft:

  • Mehr Inhalt, auch in der Werbung!
  • Keine "Blickfänger" einkaufen, sondern mit witzigen Aktionen für Aufmerksamkeit sorgen.
  • Vorher überlegen: Wie kann ich mein Unternehmen wirklich offen und modern darstellen!

 

2. ...und noch ein Flyer!

Jeder Flyer, den ich jemandem in die Hand gedrückt habe, ist ein Erfolg.

Mal ehrlich, dieser Satz muss doch irgendwo in einem Lehrbuch zum Thema "Wie mache ich meinen Messestand erfolgreich?" auf jeder Seite stehen, ODER? Ob Flyer, Postkarten, ganze Broschüren oder andere Kleinigkeiten. Nennt mich verrückt, aber ich befürchte, dass der Flyer am Schreibtisch am Tag danach im Papierkorb der Besucherin*des Besuchers liegt. Schade drum... Okay, unsere Flyer sind schon mal auf Recyclingpapier und mit ölfreien Farben gedruckt, trotzdem ist es schade. So ein bisschen wurden Erinnerungen an meinen ersten Job wach, als ich Werbeprospekte in die Briefkästen in der Nachbarschaft ausgeteilt habe. Bezahlt wurde ich damals nach der Anzahl der verteilten Prospekte. Und wenn ich ehrlich bin, landete auch da mal der ein oder andere Prospekt in einem Briefkasten, an dem man das Schild "Bitte keine Werbung einwerfen" nicht mehr lesen konnte.

Meine Reflexionsfragen Fragen an uns Flyer-Nutzer*innen:

  • Was würden Sie mit einem Prospekt machen, den man Ihnen trotz "Bitte keine Werbung" Schild einwirft? Wie fänden Sie die Firma die dafür verantwortlich ist?
  • Kann ein Flyer wirklich transprotieren, wieso wir die besten Partner*innen für potenzielle Kund*innen sind?
  • Gibt es eigentlich ein Museum für diese Kunstform?

Unsere konkreten Gedanken für die Messe der Zukunft:

  • Akzeptieren Sie, wenn Besucher sich nicht mit Ihnen auseinandersetzen wollen.
  • Überlegen Sie sich wie Sie ohne Flyer bleibenden Eindruck hinterlassen können. Das ist viel mehr wert!
  • Witzige Idee am Rande: Was würde passieren, wenn Sie Besuchern einen Flyer anbieten, diesen aber kurz vorm Zugreifen zurück ziehen... (wir probieren es beim nächsten Mal aus)!

 

3. "Wiederverwendbare Perserteppiche".

Verlege soviel Teppich in einem Jahr, um damit ganze Autobahnen bedecken zu können.

Muss ich dazu noch mehr ausführen? Was ist unsere Business-Seele doch gut im Verdrängen. Wir verlegen aberwirtzig viel Teppich, lassen Logos auf Wände drucken, die danach nicht mehr benutzt werden und verkaufen sogar auf einer Messe, die indoor stattfindet, fast nur Essen und Trinken, die in Wegwerf-Bechern und Plastiktellern ausgegeben werden und mit Plastikbesteck verspeist werden. Aber unsere Anreise mit dem Pkw können wir mit dem Kauf von CO2-Zertifikaten ausgleichen?

Meine rhetorischen Fragen an unsere Business-Seele:

  • Wie lange wollen wir uns bei solchen Groß-Events eigentlich noch vormachen, dass diese Art der Verschwendung okay ist?
  • Hey Messe Stuttgart, wann hattet ihr die Idee mit aberwitzigen Parkkosten (19€ für 9 Stunden???) die Anreise mit dem Zug zu unterstützen?
  • Wer hat Lust dazu beizutragen, dass das Spiegelbild unserer Business-Seele etwas moderner wird?

Unsere konkreten Gedanken für die Messe der Zukunft:

  • Lasst uns ein komplett wiedervewendbares Messestand-Konzept erarbeiten.
  • Gebt nicht beim ersten "Das geht aber nicht" auf!
  • Was haltet Ihr von einer Art Nachhaltigkeits-Siegel für Messestände?

 

Und so endet diese Schilderung über unseren Messebesuch und die Erkenntnisse daraus.

Wenn jemand Lust und/oder Ideen hat, wie wir unseren Messestand noch aufmöbeln und dabei die Punkte 1-3 auch noch beachten können, zögert nicht Kontakt zu uns zu suchen. Wenn jemand glaubt sie*er braucht Unterstützug in seinem Messestand Konzept - wir sind ein kreativer Haufen und freuen uns immer über neue Herausforderungen...

Alle die uns auf den Messen bis jetzt verpasst haben, können sich auf den Icons Infos über unsere Seminare "Führungsethik" und "Gewaltfreie Kommunikation" anschauen...

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Kategorien: Insider, Entscheidungen, Veränderung, Gender