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Der Prokrastinationseffekt – Morgen, morgen, nur nicht heute!

Geschrieben von Friederike Pagel am 11. August 2016

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Chronische Prokrastination ist für viele keine Unbekannte. Ob die neue Diät, das Sportprogramm, ein lange geplantes Wiedersehen – die meisten Vorhaben starten morgen. Oder auch nicht. Die Gründe, warum wichtige oder unliebsame Aufgaben vertagt werden, sind vielfältig. Seltener steckt Faulheit dahinter. Oft sind es Phänomene, wie Perfektionismus, Versagensängste, schlechte Angewohnheiten oder das Unvermögen, Prioritäten zu setzen. Glaubt man dem US-Psychologen Joe Ferrari, ist jeder fünfte Mensch ein*e Meister*in der Prokrastination.

 

Pro - kras - ti - nie - ren | aufschieben, verschieben, vertagen

Dieses Verhalten birgt gewisse Gefahren. Alles auf den letzten Drücker zu erledigen, erzeugt Stress, erfordert mehr Arbeitseinsatz und führt dazu, weniger auf sich selbst zu achten, was zudem gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann.

Auch wenn wir dieser Tage vermehrt über das Phänomen der Prokrastination sprechen, beklagte bereits Cicero „tarditas et procrastinatio odiosa est“ – „Langsamkeit und Aufschieben sind schrecklich“. Vor allem, wenn Deadlines nicht eingehalten werden, weil die Wohnung oder das Mailpostfach mal wieder ordentlich aufgeräumt werden müssen.

 

Wenn Du es nicht sowieso schon weißt... Bist Du prokrastinationsgefährdet?

Mai und Rettig (2012) führen dazu einen Kurztest an. Lies Dir folgende Aussagen durch. Wenn Du mindestens zweimal zustimmst, solltest Du diesen Artikel auf jeden Fall bis zum Ende lesen. ;-)

Hier kommen die Aussagen…

  • Was ich beginne, bringe ich nicht immer zu Ende.
  • Ich sage häufig: „Später reicht das auch noch.“
  • Ich schöpfe die Zeit bis zum Abgabetermin restlos aus – und manchmal auch ein bisschen mehr.
  • Ich suche oft Wege, Deadlines nach hinten zu verschieben.
  • Ich bin gut darin, Entschuldigungen für Verspätungen zu finden.
  • Schwere Entscheidungen gebe ich gerne ab.
  • Ich versuche Situationen zu vermeiden, in denen ich mich nicht sicher fühle.
  • Einige der Dinge, die ich mir vorgenommen habe, verschwinden einfach nicht von meiner To-do-Liste.
  • Bezüglich meiner Pünktlichkeit bin ich Pessimist – was sich meist bestätigt.
  • Was mich ängstigt oder frustriert, meide ich.

Du hast mindestens zweimal gedanklich genickt? Dann lass Dir noch gesagt sein, dass wir nicht nur unliebsame Dinge aufschieben. Auch erfreuliche Dinge werden nicht immer gleich in Angriff genommen. Je größer der zur Verfügung stehende Ausführungszeitraum (angedacht) ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir tatsächlich etwas in Angriff nehmen – häufig, weil wir das Zeitfenster überschätzen.

 

Tipps für die Praxis

Gedanken sind Zeitfresser. Wenn wir uns ewig damit plagen, eine Entscheidung zu treffen oder eine Sache anzugehen, vergeuden wir kostbare Zeit, um uns anderen Dingen zu widmen. Deshalb kommen hier ein paar kleine Tipps…

  • Straffe Zeitfenster setzen
  • Notiere, welche Aufgaben Du wann und in welcher Zeit erledigen möchtest. Hierbei ist es wichtig, Zeitpuffer einzuplanen und am Ende gegenzuprüfen, was erledigt wurde und was noch offen ist. Im Idealfall hast Du alle Anliegen vorher nach ihrer Wichtigkeit priorisiert.
  • Nutze Projektmanagamentwissen und formuliere Ziele und Vorhaben SMART: SMART-formulierte Ziele verdeutlichen, wie und bis wann ich etwas erreichen will (Zeitplan, Ressourcen, etc.) und sind im Nachhinein überprüfbar.
  • Insgesamt und für kleinere Vorhaben gilt die Regel: Alles was wir uns vorgenommen haben und nicht in den nächsten 72 Stunden anpacken, wird vermutlich keinen Erfolg haben. Innerhalb dieses Zeitfensters merken wir, was wir wirklich wollen und leisten können und was vielleicht nur eine kühne Idee war.

 

Let´s improwe together!

#improwetogether

 

Weiterlesen: Mai, Jochen; Rettig, Daniel (2012): Ich denke, also spinn ich.

 

Kategorien: Entscheidungen, Selbstkompetenz