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Impression Management und der erste Eindruck

Geschrieben von Kai Bergmann am 29. November 2016

erster Eindruck.jpegWie sollte man sich beim ersten Treffen verhalten? Kann ich mein Auftreten beeinflussen? Was muss ich bei einem Kennenlernen beachten? Und was zum Kuckuck ist eigentlich dieses 'Impression Management'?

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Kennst du das Gefühl? Du triffst dich mit einer wichtigen Person zum ersten Mal. Du bist aufgeregt, zermürbst dir den Kopf und hoffst, nicht rot wie eine Tomate anzulaufen. Und all das nur, um einen möglichst positiven ersten Eindruck zu machen. Doch warum ist die erste Begegnung so wichtig? Wie beeinflusst das erste Kennenlernen unsere weiteren Denkmuster und Attributionszuschreibungen? Was sollte man wissen, wenn man ein wichtiges erstes Treffen vor sich hat? Antworten zu diesen und weiteren Fragen sowie kurze, praktische Tipps zur Selbstpräsentation erhältst du in diesem Blog-Beitrag. 

Falls du keine Lust auf die Theorie hast und lieber gleich zu den Tipps gelangen willst, dann klicke einfach auf den großen blauen Button. 
PRAXISTIPPS IMPRESSION MANAGEMENT


Zu aller erst möchte ich kurz auf die vorherigen Blog-Beiträge zu (sozial-) psychologischen Phänomenen hinweisen, bei denen du nicht nur weitere interessante Tipps erfährst, sondern dir auch noch einen Überblick über Phänomene wie der Attribution und der Wahrnehmung verschaffen kannst, die auch hier wieder eine nicht unbedeutende Rolle spielen werden.

 

Matthäus-Effekt                                                                                                         Attribution und Wahrnehmung


 

Warum erster Eindruck?


Also, warum machen wir uns vor einem ersten Treffen so viele Gedanken? Ist es so wichtig, einen guten Eindruck hinterlassen zu können?

Antwort: Ja! - Und wieso das so ist, werde ich gleich noch näher beschreiben... 

Zunächst erscheint es erstmal nachvollziehbar, dass bei einem ersten Treffen eine Unmenge an Informationen abgegeben und auch empfangen werden. Da es eines unserer bedürftigsten Bestrebungen ist, zu verstehen und zu klassifizieren, müssen bei einer neuen Begegnung diese Verknüpfungen erst erstellt werden. Wie schnell diese Klassifizierung - dieses ‚judgement‘ -tatsächlich entsteht, haben Sozialpsychologen mal versucht, in einem Experiment darzustellen. Aus den Ergebnissen schlussfolgerten sie, dass grundlegende Traits (Persönlichkeitsmerkmale) bereits nach 0,1 Sekunden zugeschrieben werden (basierend auf Daten von Willis & Teodorov, 2006). In dem Experiment wurden Probanden für eine bestimmte Zeit Gesichter von (männlichen und weiblichen) Schauspielern gezeigt, zu denen sie im Anschluss ein Rating an Persönlichkeitsmerkmalen abgeben sollten. Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich des Eindrucks, lediglich die Selbstsicherheit, mit der die Probanden ihre Angaben machten, nahm etwas zu, je länger sie das Gesicht anschauen konnten. 

Was wird dadurch jetzt deutlich?

Na, wenn man sich mal vorstellt, dass die Probanden lediglich ein Gesicht sahen und sonst keinerlei Faktoren berücksichtigen konnten (Gerüche, Situation, Kommunikation), ist die Zeit schon beeindruckend. Erstaunlich ist auch, mit wie wenig kognitivem Aufwand dieses Urteil zum ersten Eindruck gefällt wird. Es scheint, als könne man sich diesem Judgement auch nicht irgendwie entziehen. 

 

Implizite Persönlichkeitstheorie

Wenn wir Menschen jetzt also den ersten Eindruck einer Person nach nicht mal mehr einer halben Sekunde festgestellt haben, wie wird dieser durch weitere Handlungen noch beeinflusst oder unter Umständen verändert? Interessant ist hierbei die Theorie der impliziten Persönlichkeit. 

Das Prinzip besagt, dass wir unterbewusst durch Merkmale, die wir suggestiv bei Personen festgestellt haben, auch weitere Merkmale und Eigenschaften vermuten, ohne dass wir die zugehörigen Informationen jemals erhalten oder gespeichert haben. Zur Verdeutlichung ließe sich das Beispiel der Attraktivität herbei nehmen. Bei Baron et al wird herausgestellt: ,,(...) in many societies, but not all, it is assumed that "what is beautiful is good" - that people who are attractive also possess other positive traits, such as good social skills (...)".  Würde bedeuten, dass man einer Person, die als 'attraktiv' gilt, auch implizit weitere positive Attribute zu schreiben würde. Dies hat weitgehend mit unseren Erwartungen zu tun, unterstreicht gleichzeitig aber noch einmal die Einfachheit, mit der wir uns ein Bild von unserem Gegenüber machen. 

[#FaktZwischenDurch: Übrigens findet man implizite Theorien zur Persönlichkeit schon zum Teil bei Neugeborenen wieder. Forscher fanden heraus, dass Versuchspersonen mitunter Erstgeborenen andere Attribute zugestanden als beispielsweise denen, die als letztes geboren werden. Demnach erwartet man bei Erstgeborenen eine höhere Intelligenz, Verantwortungsbewusstsein sowie Gehorsam, während man den Letztgeborenen eher Kreativität, Emotionalität und Unverantwortlichkeit zuschreibt (Cichomski et al, 2003).]

 

Kann man den ersten Eindruck nachträglich verändern? 

Leider(?!) ist es so, dass der erste Eindruck bestehen bleibt und durchaus auch die weitere Wahrnehmung der Person beeinflusst. Darüber hinaus werden meist darauf folgende Begegnungen und daraus resultierende Handlungen an den ersten Eindruck angepasst. So werden beispielsweise Handlungen, die dem ersten Eindruck entsprechen, eher den Persönlichkeitseigenschaften angehängt, während dann konstrastives Verhalten der Situation und den Umständen zugeschrieben wird.

Das Verlangen danach oder vielmehr die Mühe, die man sich gibt, einen guten Eindruck in wichtigen Situationen zu hinterlassen, scheint also durchaus gerechtfertigt. Unsere Selbstpräsentation (oder wie die schlauen Psychologen sagen würden: Impression Management), also unsere positive Selbstinszinierung, verhilft uns durchaus zu Vorteilen, wie Sozialpsychologen feststellten (z.B. Sharp & Getz, 1996). Dieses Impression Management ist unterteilbar in einerseits die Selbstverstärkung und andererseits die Fremdverstärkung. Ich kann nun also zum einen versuchen, meine eigene Person in ein besseres Licht zu rücken, oder aber ich konzentriere mich auf mein Gegenüber.  

Welche Strategien und Taktiken kann man als Einzelperson also anwenden, um einen guten Eindruck zu hinterlassen? Was muss man gegebenenfalls im Ausland beachten und was hat die jeweilige Kultur damit zu tun? Antworten erhältst du hier.


PRAXISTIPPS IMPRESSION MANAGEMENT

 

Let´s improwe together!


Literatur zum Nachlesen:

Baron et al (2008): ,,Social Psychology". 12. Edition. Pearson Education, Inc.

Kategorien: Wahrnehmung, Veränderung, Feedback, Beratung