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Herausforderung "Generation Z" - Gegenseitiges Verständnis schaffen

Geschrieben von Friederike Pagel am 03. Mai 2016

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Im Jahr 2015 blieben rund 41.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Viele junge Menschen beginnen lieber ein Studium, anstatt eine Lehre zu absolvieren. Das nehmen wir zum Anlass und werfen einen Blick auf die aktuelle Ausbildungsgeneration – die sogenannte Generation Z. Was will sie? Und wie können wir den Arbeitsalltag mit ihr gestalten?

 

Um diejanin.jpgse Fragen zu beantworten, haben wir ein Interview mit einer Expertin auf diesem Gebiet geführt. Jeden Tag arbeitet Janin B. mit der Generation Z zusammen. Sie ist im Bereich Ausbildung und Personalentwicklung in einem mittelständischen Unternehmen in der Medienbranche tätig. Dort betreut sie Auszubildende im Alter von 17 bis 21 Jahren.

 

» Generation Z – Leben in einer digitalen Welt «

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Die Mitglieder der Generation Z wurden etwa in den Jahren zwischen 1995 und 2010 geboren. Sie sind die Nachfolgegeneration der Generation Y. Während sich letztere vornehmlich auf Sinnsuche befindet („Why?“), möchte die Generation Z etwas nach außen darstellen. Philipp Riederle, Autor und selbst Mitglied der Generation Z, beschreibt seine Generation wie folgt: „Wir outen uns wie keine Generation zuvor.“ Dieses Zitat steht im unmittelbaren Zusammenhang mit der Tatsache, dass die Z-ler seit den ersten Bildern ihrer Geburt im Web lebten und die Welt mit Tablet und Smartphone steuerten, so Riederle.

 

IMP_Icon-Serie_Bereiche_Begleitung.png» Das hat sie*er doch jetzt gerade nicht gefragt, oder? «

Friederike: Janin, Du arbeitest mit Azubis der Generation Z zusammen: Wie würdest Du sie beschreiben?

Janin: Kurz gesagt: Sie trauen sich viel, sie sind selbstbewusst, wollen viel – zeigen aber nicht besonders viel Eigeninitiative, was Zusatzarbeiten oder Projekte betrifft. 

Friederike: In welchen Momenten werden diese Eigenschaften sichtbar?

Janin: Einerseits halten sie den Bewerbungsaufwand relativ gering. Trotz vielfachen Möglichkeiten, sich zu informieren und Bewerbungstrainings mitzumachen, wird nach meiner Erfahrung wenig davon ernst genommen und bei der Bewerbung oder im Gespräch umgesetzt.  Sind sie dann im Unternehmen, erwarten sie so einiges an Leistungen, die ein Unternehmen ihrer Meinung nach erbringen sollte. Mein erster Eindruck war: Sie haben zu Beginn der Ausbildung schon sehr viele Sonderwünsche, die sich so manch langjährige*r Mitarbeiter*in nicht traut zu erfragen. Sie wollen aber im Gegenzug nicht besonders viel dafür tun. Der häufigste Satz, den ich in den letzten Jahren gesagt habe war: "Das hat sie*er doch jetzt gerade nicht gefragt, oder?"

Friederike: Klingt nach großen Herausforderungen im Miteinander?IMP_Icon-Serie_Bereiche_papierflieger_cyan.png

 

» Sie schießen häufig über ihr Ziel hinaus «

Janin: Wie vorher schon kurz erwähnt. Sie trauen sich sehr viel nach Sonderregelungen zu fragen und halten vieles für selbstverständlich. Das Problem entsteht an dem Punkt, an dem sie die Sonderregelung als Normalfall ansehen und nur noch so agieren.

Friederike: Kannst Du ein Beispiel aus dem Arbeitsalltag erzählen?

Janin: In einer Abteilung unseres Hauses gibt es feste Arbeitszeiten und auch Pausenzeiten, da viel telefonischer Kundenkontakt die Regel ist. Ein*e Azubi fragt nach, ob sie*er nicht ausnahmsweise kürzer Pause machen dürfe und dafür früher gehen könne. Das ist kein Problem, da sind die Kolleg*innen flexibel und jede*r kann nach Ausnahmen fragen. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass die Generation Z wenig Feingefühl dafür hat, wann Sonderwünsche angemessen sind. Sie schießen daher häufig über ihr Ziel hinaus. Schnell entsteht eine Situation, in der jeden zweiten Tag gefragt wird, ob man nicht früher gehen kann. Wenn zusätzliche Arbeiten anstehen, muss man sie dann im Gegenzug allerdings schon sehr beknien, dass sie ausnahmsweise mal länger bleiben.

Friederike: Frei nach dem Motto „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt"?

Janin: Meiner Meinung nach hat die Generation Z das Prinzip des "Gebens und Nehmens" nicht wirklich verstanden. Die Herausforderung ist dann, die Wünsche und Vorstellungen mit den Kolleg*innen einer anderen Generation zu vereinbaren. Diese wünschen sich natürlich auch, früher gehen zu können, wissen aber, dass dies nicht der Regelfall sein kann.

 

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 » Von euch wird das Web 2.0 noch immer als Raketentechnik gehandelt. Für uns war es schon immer da. « (Philipp Riederle)

Friederike: Wie sieht es im Umgang mit Medien aus?

Janin: Da gilt Ähnliches. Zum Beispiel in Bezug auf die Handynutzung am Arbeitsplatz. Ältere Kolleg*innen staunen doch nicht schlecht, wenn ein*e Azubi alle halbe Stunde auf ihrem*seinem Handy herum tippt. Weitere Herausforderungen sind natürlich auch der respektvolle Umgang mit Kund*innen oder Kolleg*innen und Vorgesetzten. Die Generation Z ist nicht respektlos. Allerdings fehlt hier häufig das Verständnis dafür, warum sie sich nun gerade vor einer*einem Vorgesetzten anders verhalten sollten, als sie das unter sich tun. 

 

» Aus meiner Sicht eine sehr konträre Generation. Das dachte ich jedenfalls zu Beginn. Bevor ich versucht habe, mich mehr in sie hineinzuversetzen. « (Janin)

Friederike: Was brauchen wir, um auf diese Herausforderungen zu reagieren?

Janin: Zum einen muss auf beiden Seiten wieder ein gegenseitiges Verständnis geschaffen werden. Das gilt natürlich auch im Umgang mit den Medien. Wir als Ausbildungsabteilung setzen uns täglich mit den Auszubildenden auseinander. Daher wächst das Feingefühl und damit auch ein Stück weit das Verständnis dafür, wie die Generation Z agiert. Daraus resultiert für einige Dinge mehr Akzeptanz. Daher ist es sehr wichtig, die Generationen immer wieder in Arbeitsprozessen miteinander zu vermischen. Es hilft nicht zu sagen, dass die Generationen einfach nicht zusammenkommen und sich nicht einig sind.

 

» Flache Hierarchien und Kommunikation auf Augenhöhe «

IMP_Icon_Kompass_cyan.pngFriederike: Wie kann ein Dialog stattfinden?

Janin: Gerade die Ausbilder*innen sollten immer wieder zwischen den Generationen vermitteln und für beide Seiten um Akzeptanz bitten. Die Ausbilderin oder der Ausbilder muss daher häufig seine eventuell andere, persönliche Meinung hinten anstellen und nicht zusätzlich noch auf die Generation Z schimpfen. Also immer wieder auch die Kolleg*innen, die die Azubis in den Abteilungen ausbilden, um Feedback bitten. Feedback hilft, beide Seiten zu verstehen und sich anzunähern. Das ist meiner Ansicht nach auch der wichtigste Schritt. Nach und nach kleine Schritte aufeinander zuzugehen. 

Friederike: Das klingt gut. Dafür brauchen wir eine sanktionsfreie Feedbackkultur. Wie schaffen wir das?

Janin: Flache Hierarchien sind für die Generation Z außerdem unabkömmlich. Das veraltete Modell von "Vorgesetzten und Untergebenen" kann in erfolgreichen Unternehmen so nicht mehr fortbestehen, wenn wir auch folgende Generationen erfolgreich integrieren wollen. Zumal das nicht nur ein Generationsproblem ist, sondern eine allgemeine Entwicklung.

Friederike: Das heißt, wir können unser Miteinander fruchtbarer gestalten, wenn wir ein gemeinsames Verständnis von Geben und Nehmen sowie Kommunikation auf Augenhöhe schaffen. Hierfür ist ein professioneller Aushandlungsprozess und ein immer wieder 'miteinander in den Dialog treten', unerlässlich. Welche Stärken kann die Generation Z in diesen Prozess einbringen?

Janin: Sie sind sehr selbstbewusst, wissen genau, was sie wollen und was sie nicht wollen. Außerdem sind sie sehr kommunikativ. Das kann man negativ, aber auch positiv sehen. Wenn ihnen etwas Spaß macht, sagen sie dies ebenfalls stolz. 

Friederike: Vielen Dank für das Teilen Deiner Erfahrungen, Janin!

 

Let´s improwe together!

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Zum Weiterlesen: Philipp Riederle (2013): Wer wir sind, und was wir wollen. Ein Digital Native erklärt seine Generation. München: Droemer Knaur.

 

Kategorien: Führungskompetenz, Ausbildung, Ethisch Führen