Improwe Blog

Das Gefühl nichts und niemandem gerecht zu werden - Aus dem Nähkästchen einer Working Mom

Geschrieben von Julia Prestel am 06. März 2018

Julia, unsere Improwerin aus dem Backoffice und unsere Rückenstärkerin in Sachen Organisation, Verwaltung und Buchhaltung, berichtet heute aus dem HomeOFFice  und lässt uns daran Teil haben, wie man als moderne Frau die verschiedensten Verantwortungen in den verschiedensten Rollen packt, um allem (oder nichts) gerecht zu werden. Stellt sich die Frage:

Von welchen Faktoren hängt es ab, alles gemanaged zu bekommen mit Kind, Haus, Job und Freizeitwünschen (*lol*)?

"Arbeiten mit Kind? Pff - kein Verständnis für die die Jammern!"

Als mein Sohn zur Welt kam war's für mich ganz klar: Ich trete im Job kürzer und manage unser Familienleben. Eine andere Aufteilung, als die klassische Rollenverteilung, war bei uns nicht möglich, da mein Mann in seinem Beruf mehr als nur eingespannt ist.

Nach einem Jahr Elternzeit zuhause ging's für mich wieder zurück in den Job, jetzt in Teilzeit. Auf dem Papier sah das gut machbar aus: Ich geh ein paar Stunden arbeiten, inzwischen kümmern sich Oma und die Tagesmutter um den Nachwuchs. 

Es schien die absolute win-win-Situation zu sein: wir besserten unsere Familienkasse auf und ich genoß es sichtlich aus dem Schlabberlook raus zu kommen und wieder ein angesehenes, produktives Mitglied der Gesellschaft zu sein. Mein Sohn hatte sichtlich Spaß mit den anderen Kindern bei der Tagesmutter und freute sich auf die ungeteilte Aufmerksamkeit der Oma. „So kann es ewig weitergehen“, dachte ich damals. Verständnis für die „arbeitenden Mütter“, die meines Erachtens ständig am Jammern waren, hatte ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht. 

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Das typische Gedankenkarussell einer Mutter

Doch so allmählich begann die Fassade zu bröckeln und das Hochgefühl verabschiedete sich- Noah wurde immer anhänglicher und fing an zu zahnen. Was schlaflose Nächte und unbändige Schreiattacken tagsüber mit sich zog. Ich kämpfte mich morgens schlaftrunken ins Büro und war sichtlich bemüht die Probleme Zuhause - zuhause zu lassen. Doch ständig war ich in Gedanken bei meinem Kind: ob es ihm gut geht? Hab ich der Oma gesagt, dass Noah gerade keinen Reis essen mag? Hab ich genügend Windeln eingepackt? Hoffentlich macht er nicht zu spät und zu lange Mittagsschlaf, sonst krieg ich ihn abends nicht ins Bett! Usw. usw . Das typische Gedankenkarussell einer Mutter, das sich nicht abstellen lässt- so sehr man es sich wünscht!

JA! - es liegt an der Teilzeitstelle und wie diese ausgeführt wird!

Meine Zweifel, ob es die beste Entscheidung war wieder in den Beruf einzusteigen mehrten sich. Nicht zuletzt, weil sich meine Definition einer Teilzeitstelle nicht mit der meiner Kollegen und Vorgesetzten deckten. Teilzeit schien hier das fast gleiche Pensum an Arbeit in kürzerer Zeit und mit deutlich geringerem Einkommen zu bedeuten. Das Verständnis, dass eine Angestellte mit einem kranken Kind nicht zur Arbeit kommen kann, ist auch eher gering und ich fand mich das ein und andere Mal in einer unangenehmen Situation wieder, mich dafür rechtfertigen zu müssen, warum nicht irgendjemand anderes bei dem Kind bleiben kann. 

Die „quality-time“ mit der Familie musste immer mehr der wasch-time, putz-time, koch-time und einkaufs-time weichen. Ein Selbstorganisationstalent wird man automatisch.Kurzum das Gefühl nichts und niemandem gerecht zu werden stieg und ich fand mich im Kreise der jammernden Working Moms wieder.

 

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Den Mut haben es anders tun

Als meine Tochter das Licht der Welt erblickte, stand für mich sofort fest diesmal mach ich das Besser. Ich kündigte meinen Job und begann eine Weiterbildung in Teilzeit um mich neu orientieren zu können. Somit waren meine diesmal zwei Jahre Elternzeit für mich auch gerechtfertigt. Mittlerweile bin ich auch wieder in die Arbeitswelt eingestiegen, in Teilzeit mit 100% Homeoffice und mit Kollegen und einem Vorgesetzten, die zum Großteil selber den Spagat zwischen Beruf und Privatleben meistern und somit auch sehr verständnisvoll sind. Das macht's leichter, doch wenn die Grippewelle anrollt, die Kinder über Tage hohes Fieber bekommen… da steigt auch im Homeoffice der Stressfaktor….

 

Umdenken fördern - Impulse setzen

Was den meisten Alleinerziehenden Müttern nicht zur Auswahl steht - das Arbeiten mit den Kindern zu vereinen - wird mehr und mehr zur Normalität und gehört zum Arbeiten von morgen ebenso dazu, wie die Elternzeit für Väter. Es zeichnet sich deutlich der Trend ab, dass die Kinder, die in den letzten 10-15 Jahren geboren wurden, früher in die Betreuung kamen und beide Elternteile voll oder teilweise Teilzeit arbeiten. 

Das bedeutet für die Unternehmen, entsprechende Strukturen zu schaffen, die soetwas nicht nur zulassen und begleiten, sondern erleichtern und Hemmungen aufbrechen. 

Alle Blog-Inhalte zum Thema NEW WORK

Strukturen der New Work Bewegung machen es uns Improwern möglich, zu arbeiten, wann immer wir es wollen UND wann immer es unsere Kinder benötigen. 

 

Wir sehen uns - Eure Julia

Kategorien: Elternzeit, wertewandel, neue Arbeit, Beruf und Familie