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3 Rhetorische Mittel der Gesprächsführung

Geschrieben von Daniele Casasanta am 12. Dezember 2017

Gesprächsführung im Mitarbeitergespräch

Letzte Woche bat mich der Mitarbeiter um das Gespräch auf die Schnelle - ich war hinterher unglücklich mit dem Gespräch und mit dem Ergebnis unzufrieden. Daraufhin habe ich im Nachhinein einen Termin mit genügend Zeit vereinbart. Etwa eine Stunde habe ich angesetzt und mir direkt danach keinen Termin rein gelegt. 

Im Gegensatz zu letzter Woche möchte ich mir mehr Zeit nehmen und mich vorbereiten - das nehme ich mir immer wieder vor, um dann doch ein "aus-dem-Bauch-heraus-Gespräch" zu führen. 

Das möchte ich nun vermeiden und es folgen drei rhetorische Mittel, die es Ihnen erleichtern werden ein Gespräch zu führen.

Hier ist der oben angesprochene Artikel nochmal nachzulesen zum Thema:

„Mitarbeiter richtig zuhören - Tür- und Angelgespräche führen in 11 Schritten“ 

Nun aber widmen wir uns dem oben geschilderten Mitarbeitergespräch mit gesetztem Termin.

 

1) KONTROLLIERTES ZUHÖREN

 

Ein rhetorisches Mittel, welches nach dem „aktiven Zuhören“ eine Ergänzung aufweist - das Zusammenfassen und Paraphrasieren

Hier versuche ich meine Aufmerksamkeit dadurch kenntlich zu machen, dass ich nicht nur gehört und versanden habe, was gesagt wurde, sondern dass ich es in der Gänze aus der eigenen Perspektive und im selben Verständnis wiedergeben kann, ohne die Bedeutung zu verdrehen.

So kann ich auch ein Sach- und Fachverständnis aufzeigen, um gegebenenfalls noch tiefer in  das Gespräch einzutauchen - sofern ich dieses habe. Es soll kein „Trick“ sein, sondern ehrliches und aufrichtiges Verständnis. Stecke ich nicht tief im Thema, bitte ich meinen*r Gesprächspartner*in mich kurz abzuholen, dies zeigt ebenfalls ein ehrliches Interesse und macht ein wertvolles Fortführen des Gesprächs möglich.

Sätze wie…:

„Also sind Sie der Meinung, dass…“

„Das Bedeutet demnach…“

„Der Sachverhalt ist aus Ihrer Sicht…“

 

…oder…

 

„Leider stecke ich nicht in Ihren Prozessen dazu - helfen Sie mir hierbei doch kurz…“

„Gerne möchte ich Ihr Anliegen in der Gänze verstehen, dazu fehlen mir noch (die) Punkte…“

…können dies einleiten. 

 

Es fordert Ihre volle Aufmerksamkeit und macht diese gleichzeitig sichtbar und zeigt Ihrem Gegenüber Wertschätzung und kann sogar eine höhere Vertrauensbasis schaffen.  

 

Einen kurzen Leitfaden für die Vorbereitung einer Gesprächssituation finden Sie hier!

HIER GEHTS ZUM Leitfaden zur Gesprächsvorbereitung

 

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2) FRAGETECHNIKEN

 

Fragen hier als zweites rhetorisches Mittel sind enorm wichtig, um den Kern einer Aussage, Information, eines Anliegens und das Bedürfnis dahinter zu verstehen, zu sehen und entsprechend zu handeln/reagieren. Noch dazu halten Fragen ein Gespräch am Laufen. 

Man unterscheidet unter folgenden Frageformen:

 

Offene Fragen

Diese sind daran zu erkennen, dass sie nicht mit „ja“ oder „nein“ zu beantworten sind und fordern den Gefragten heraus, sich mit der Frage und vor allem der Antwort auseinander zu setzen und ist gleichzeitig frei in der Gestaltung seiner Antwort

Sie beginnen in der Regel mit den klassischen Frageworten „wer“, „wie“, „was“, „weshalb“ und weitere. Hiermit kann man tief ins Thema einsteigen oder eine Meinung zu Besprochenem einholen. „Oder was meinen Sie dazu?“

 

Geschlossene Fragen

Diese Form ist das Gegenstück zu den offenen Fragen und lassen sich entsprechend mit „ja“ oder „nein“ beantworten. 

Man kennt Situationen, in denen einfach kein Gespräch zustande kommt - dies kann unter anderem an einer Reihung von geschlossenen Fragen liegen.

Diese Form wird bei Entscheidungsfindungen und schnellen Ergebnissen bevorzugt („kennen Sie sich mit diesem Thema aus?“ „Wollen wir dieses Projekt angehen?“), kann aber auch deshalb Druck auslösen und den/die Gesprächspartner*in in die Enge treiben („Können Sie die Ergebnisse bis Freitag liefern?“ „Haben Sie meinen Artikel gelesen?“).

 

Alternativfragen 

Eine Form der geschlossenen Fragen finden wir hier, in der Varianten/Alternativen als Antwortmöglichkeit zur Verfügung gestellt werden. Multiple-Choice-Fragen sind die bekanntesten darunter („Wählen Sie unter a) b) oder c)“) und werden häufig in Satzformen gepackt wie „Entweder…, … oder…?“.

Hier führt ebenfalls eine bereits vorgefertigte Entscheidung herbei, um z. B. ein weiteres Vorgehen zu klären. Meist am Ende eines Gesprächs gut platziert.

 

Suggestivfragen 

Suggestivfragen haben in einem Mitarbeiter-Gespräch meiner Meinung nach nichts zu suchen, dennoch finde ich das Bewusstsein derer Wirkung wichtig.

Diese Frageform findet überwiegend in Verkaufsgesprächen statt und hat einen manipulativen Beigeschmack. Zum Beispiel Fragen wie,

„Wollen Sie DAS Weihnachtsgeschenk für ihren Partner?“ Oder

„Suchen Sie auch schon seit einem halben Jahr nach den besten Gesprächsmethoden?“ .

Im Beruf finden die Fragen Platz in Form von „Finden Sie die Dienstagsbesprechungen nicht auch immer unnötig?“ oder „Sie sind immer gut in sowas - haben Sie nicht Lust das Protokoll zu schreiben?“

Es fällt uns schwer diesen zu Wiedersprechen - sollten uns die Antwort aber dennoch nochmal gut überlegen.


Rhetorische Fragen

Diese Stilmittel sind Fragen, die keine Antwort verlangen, also eigentlich in der Gesprächsführung ebenfalls kaum Verwendung finden (sollten).

Ein Klassiker im Alltag ist „Habe ich es nicht gleich gesagt, dass das nichts wird?“. 

Abschließend in einem Gespräch kann es verwendet werden in Form von „Was lernen wir in Zukunft daraus?“.

Das Risiko, dass sich ihr*e Gesprächspartner*in provoziert fühlt und sich rechtfertigen möchte ist hoch. Die Chance eines harmonischen Austauschs ist dennoch gegeben.


Einen kurzen Leitfaden für die Vorbereitung einer Gesprächssituation finden Sie hier!

HIER GEHTS ZUM Leitfaden zur Gesprächsvorbereitung

 

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3) FEEDBACK

 

Feedback als Rückmeldung im Allgemeinen ist ein sehr weites Feld und in vielen Bereichen nützlich, umsetzbar und unumgänglich.

Zum Feedback im Allgemeinen geht es hier zu einem unserer Blog-Beiträge!

HIER LANG ZU  5 wichtige Rahmenbedingungen für Ihr Feedback

 

Das Feedback im Mitarbeitergespräch sollte stets den Zweck des Wachstums und der Wertschätzung am Gegenüber haben. 

Ich melde zurück: Meine Wahrnehmung/Beobachtung der Verhaltensweisen meines*r Gesprächspartners*in.

Ich beziehe mich: Auf konkrete, beobachtbare Sachverhalte und nenne nachvollziehbare Beispiele und Situationen.

Ich vermeide: Meine Interpretationen und Bewertungen und nenne eine Möglichkeit, wie beschriebene Situationen wirken können - es aber nicht zwangsläufig tun.

Ich verpacke es: In eine angenehme Atmosphäre mit persönlicher Ansprache unter Berücksichtigung der persönlichen, vertraulichen Position in der ich zu meinem*r Gesprächspartner*in stehe.


 

Zusammengefasst nochmal die drei Mittel für Ihr Mitarbeitergespräch:

1) KONTROLLIERTES ZUHÖREN

Zusammenfassen und paraphrasieren

2) FRAGETECHNIKEN

Gespräche am Laufen halten durch verschiedene Frageformen - offen am Beginn, geschlossen gegen Ende

3) FEEDBACK

Rückmeldung nutzen, um Verhaltensweisen wertschätzend zu vermitteln, um Impulse für einen Wachtum zu setzen

Zum Abschluss

Geben Sie im Anschluss einen Ausblick und fassen Sie zusammen. Ein Festhalten der Ergebnisse des Gesprächs hat ein "wir-haben-was-gemeinsam-geschafft-Gefühl".

 

Nehmen Sie das Gespräch in die Hand.

Viel Erfolg bei Ihrem nächsten Mitarbeitergespräch - egal ob in 10 oder 60 Minuten.

 

Let´s Improwe!

Kategorien: Führungskompetenz, Kommunikation, Feedback, gesprächsführung