„Wer bremst, verliert“ – Arbeitskultur der USA

„Wer bremst, verliert“ – Arbeitskultur der USA

Zwei mal hatte ich das Vergnügen, Arbeitserfahrungen in den USA sammeln zu dürfen und das Leben dort kennenzulernen. Nun sind die Vereinigten Staaten spätestens seit Februar vermehrt kritisch und zu Teilen auch negativ in den Schlagzeilen. Ich möchte an dieser Stelle einmal versuchen, diese politischen Entwicklungen möglichst außen vor zu lassen und mich etwas den Unternehmenskulturen und Arbeitsweisen der USA widmen. Wie ist es eigentlich, in den USA zu arbeiten? Wie ist die Kommunikation zwischen Management und Personal? Welche Unternehmensstrategien kann man identifizieren? Und was hat der American Dream damit zu tun?

Welcome to the American Dream! 

Wer kennt heutzutage schon nicht die Metapher des American Dream? Es spielt keine Rolle wo du herkommst, solange du hart arbeitest, wirst du Erfolg haben. Es ist ein Ideal, das jedem Amerikaner / jeder Amerikanerin die Möglichkeit bietet, sein persönliches Potenzial frei zu entfalten.

,,We hold these truths to be self-evident,that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness"

(Thomas Jefferson, Decleration of Independence)

Wenn also schon damals formuliert wurde, dass jeder Mensch (zumindest) diese drei Grundrechte besitzt, dann müsste doch fast 250 Jahre später alles tutti sein oder? Zu aller erst ist so eine Formulierung zwar immer schön und gut - und für diese Zeit sicherlich visionär -, aber schon die noch bis in die 60er Jahre andauernde 'Rassentrennung' (schreckliches Wort) führt die Realität vor Augen. Längst hat auch heute nicht jeder die gleiche Chance. Neben noch immer anhaltenden sozio-kulturellen Diskriminierungen, wird auch im Schulsystem sozio-demographisch selektiert. Die gehobenen Stadtviertel haben gute Schulen mit ausreichend Inventar und ausgezeichnetem Lehrpersonal. Oftmals sieht man in den ärmeren Stadtvierteln genau das Gegenteil. Das ist für viele vielleicht nichts neues, da es schließlich auch in etlichen Hollywood- und Nicht-Hollywoodfilmen thematisiert wird. Aber dennoch ist es hinsichtlich der Arbeitswelt wichtig zu erwähnen, dass schon bei der Grund- und Allgemeinbildung (von tertiärer Bildung, also Universität, ganz zu schweigen) nicht von gleichen Voraussetzungen gesprochen werden kann (in Deutschland übrigens auch nicht. Nur eben nicht so extrem).

Work, work, work - singt nicht nur Rihanna

Wie sieht es jetzt in einem Unternehmen aus? Wird da die Chancengleichheit eher beachtet? Wie ist die Arbeitsmoral? Ich selber bin zwar nur mit einem Unternehmen direkt in Berührung gekommen, hatte aber auch mit vielen Einheimischen aus anderen Betrieben und Branchen zu tun. Trotzdem maße ich mir natürlich nicht an, hier für die gesamte amerikanische Arbeitskultur zu sprechen (wenn es Die eine überhaupt gibt).

Also mein Gesamteindruck ist doch sehr stark leistungsgeprägt. Das Ideal des harten Arbeiters ist definitiv in den Köpfen der Menschen verankert - und sicherlich auch nicht das schlechteste Ideal, das man haben kann. Gerade in einer Stadt wie Los Angeles, wo Erfolg, Reichtum und Freiheit, aber auch Konkurrenz, Leistungsdruck und Stress alltäglich sind lassen sich die Auswirkungen intensiv wahrnehmen. Der Druck steigert sich nicht selten so hoch, dass leistungssteigernde, psychotrope Substanzen (Ritalin, Kokain) sich dem Alltagsbild anschließen. Wer bremst, verliert. Wer aufhört zu arbeiten, verpasst den Anschluss. Den Alltag entschleunigen, mal eine Pause einlegen und auf seinen Körper hören scheint genauso abwegig, wie nach der Arbeit ohne Stau nach Hause zu gelangen.

Auf der anderen Seite gibt es gleichzeitig eine unglaubliche und unverkennbare Disparität zwischen arm und reich. ,,Die (die Obdachlosen) haben einfach nicht hart genug gearbeitet", hörte ich auf dem abendlichen Nachhauseweg allen ernstes mal jemanden im Vorbeigehen murmeln. Woher die Person das nur weiß? Sicherlich hat sie eine repräsentative Umfrage gestartet. Tatsächlich weiß es allerdings niemand, und doch scheint mir, dass die Bevölkerung hier besonders anfällig für einen Gerechte-Welt-Glauben und/oder den Matthäus-Effekt ist.

ATTRIBUTION UND WAHRNEHMUNG

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Licht am Horizont

...ist eigentlich die falsche Überschrift. Aber dennoch möchte ich natürlich auch AUSDRÜCKLICH die Erfahrungen in meinem Betrieb erwähnen. Denn ich bin wirklich froh, dort gelandet zu sein, wo viele der eben genannten, negativ-konnotierten Faktoren zum Teil nur eine geringe Rolle gespielt haben. Natürlich kommt man in einem Stadtteil wie Beverly Hills nicht um den Leistungsgedanken drum herum. - Dieser kommt insbesondere bei Geschäftsgrundsätzen zur Geltung, die unter Umständen den Kunden zum Nachteil werden können, aber zum Überleben notwendig sind -. Trotzdem kann ich behaupten, dass auch Ausgleich und Pausen beachtet wurden, bzw. auf das Wohl der Angestellten so weit es geht Rücksicht genommen wurde - und das gewissenhaft. Lediglich drei Dinge wurden beim Personal absolut erwartet: Kompetenz, Verständnis der Geschäftsleitsätze und Arbeitswille. Die zuletzt genannten waren meines Erachtens nach die eindeutig wichtigeren, denn darüber, was Kompetenz ist, lässt sich ja bekanntlich streiten. Auch interessant: Ich empfand die Kommunikation und den Umgang miteinander dort als sehr freundlich - ja fast schon familiär. Man hat sich dort wohl gefühlt. Ich hab mich dort wohlgefühlt.

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Was kann man jetzt daraus für sich mitnehmen?

Wenn man so will, kann man hieraus erstens ein gewisses Fingerspitzengefühl und zweitens einige Charaktereigenschaften ableiten, die es gilt aufzuweisen, wenn man mit oder bei (vielen) amerikanischen Unternehmen (zusammen-)arbeiten möchte. Zusammenfassend kann man diese Kernpunkte aus dem Text entnehmen:

Was man besitzen sollte

  1. eine offene Einstellung,
  2. Lern- und Arbeitsmotivation,
  3. Selbstbewusstsein und Wissbegierigkeit
  4. Kooperationsvermögen

 

Was man wissen sollte

  1. dass der American Dream zwar keine notwendige Realität ist, aber noch immer als Ideal in der Gesellschaft vorhanden ist,
  2. dass insbesondere in Metropolregion der Leistungsgedanke omnipräsent ist und von einem erwartet wird, dass man hart arbeitet,
  3. dass es wohlmöglich keine Normalität ist, für seine Mitarbeiter oder Angestellten Erholungsräume und Rückzugsorte zu schaffen (ja, ich weiß, dass sich in den letzten Jahren auch die kompletten Gegenbeispiele aus der amerikanischen Kultur haben entwickeln können).
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* 30.07.2014 Federführender Autor aller Improwe Blogs.

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