Arsch-Grabsch-Memory gegen Tabuisierung?

Arsch-Grabsch-Memory gegen Tabuisierung?

In der wöchentlichen Besprechung (einer von dreien) spricht einer der Kollegen das Thema #meetoo an. Es sei nun wieder präsent mit der #times-up-Thematik, den weißen Rosen bei den Grammy-Awards und man könne wieder aufsatteln – es zum Thema machen, Meinungen dazu sammeln. Eine kurze Pause im Raum wird von zögernden Kommentaren der Anwesenden unterbrochen – man will sich nicht so recht dazu äußern, weil man „das Thema ja eh nur falsch angehen kann“, meint unser Head of Marketing „Medial ausgeschlachtet wäre es auch ohnehin schon“.  Andere vergleich die Hashtag-Kampagne mit dem digitalen  Valentinstag, erfunden allen Emanzen der Welt, einen digitalen Grund zur Meinungsäußerung zu geben. Puh – es wird anstrengend…

Okay – nochmal von Vorn. Es ist großartig, dass durch die Aufpolsterung der Medien, ein solches Thema immer mehr Präsenz und Aussprache bekommt – schade, wenn durch die Aufplusterung Meinungen entstehen, die sich noch mehr auf die alten Rollen stützen und verhärten und das dagegen Ankämpfen noch aussichtsloser scheint. Lieber doch nichts sagen? Man macht sich schließlich sehr viel sichtbarer, als man bislang war. Was hab ich zu verlieren? Abneigung und Abwendung?

Wenden sich die Kollegen ab, spielen sich in unserem Körper und Hirn Notfall- und Plan B-Szenarien zur Flucht ab, da wir in den guten alten Zeiten auf unser „Rudel“ angewiesen waren, um zu überleben. Das löst enormen Stress aus, welchen ich vor allem in einem leistungs- und ergebnisorientierten Kontext so gar nicht gebrauchen kann. Unter anderem also ein unbewusster Grund, weshalb ich eine Meinungsäußerung oder Stellungnahme zu „heißen“ Themen vermeide, verschweige oder verharmlose.

Brauchen wir jetzt ein Grenzen- und Arschgrabsch-Memory, um bislang unter den Teppich gekehrte Themen bewusster behandeln zu DÜRFEN?

 

Yvonne Welser, Improwerin seit einem Jahr verbrachte bereits einige Arbeitsstunden in verschiedensten Kontexten und und lässt uns an Ihrer Gedanken-Welt zum Thema #meetoo Teil haben. Nicht zuletzt, um die Aktualität der Thematik vor und nach der Debatte als dauerhaftes Thema in Szene zu setzen – ohne dabei einen Gender- oder Anti-Sexismus-Hammer schwingen zu wollen!

 

Ich fühle mich angesprochen, ich bin eine Frau…

…ich habe auch schon sexuell grenzwertige Übergriffe erlebt – vor Allem im Freizeitbereich. Ich kenne kaum eine Freundin, die es noch nicht erlebt hat. Ich kenne kaum einen Freund, der es erlebt hat. Ich sprach bisher auch nicht großartig mit männlichen Freunden darüber.

Improwe bewegt (sich in) Arbeitswelten von Menschen. Wenn es im Arbeitskontext zu sexuellen Übergriffen kommt, ist das ein Worstcase! Diesen will ich hier gar nicht betrachten. Vielmehr will ich den Blick auf Genderbezogene grenzüberschreitende Aussagen oder Taten im Arbeitsalltag richten und zur Ent-Tabuisierung anregen und ein Bewusstsein schaffen.

Der Blog-Februar beschäftigt sich mit dem Thema Grenzüberschreitung, es gibt viel zu sagen und einige Stimmen in mir sind angetriggert, selbstbewusst und schreiten voran – andere hingegen sind verunsichert und versuchen eine objektive Distanz zu wahren. Neue Rollenverständnisse verlangen neue Rahmen, neue Rahmen lösen Gesetze aus, Gesetze lösen gesellschaftlichen Handlungsdruck aus und ach, dann wäre da auch noch unser Wertesystem – das sich ständig dreht, wendet und verändert. In diesen Tagen zügiger denn je.

 

Fünf Fragen zum Enttabuisieren des Themas – Nur ein Gedankenspiel?

 

  1. Ab wann ist eine Bemerkung, eine Tat, ein Moment für mich im Job grenzüberschreitend?
  2. Was überschreitet meine persönliche Grenze?
  3. Geht es um Kompetenz oder um das jeweilige Geschlecht? Oder um definierte Kompetenzrollen die Geschlechtern zugeschrieben werden?
  4. Wann und wo habe ich eine von mir definierte Grenzüberschreitung erlebt?
  5. Wie bin ich damit umgegangen?

 

Nehmt diese Fragen mit in euren Arbeitsalltag. Sprecht darüber mit Kollegen und Kolleginnen, gern auch mit Vorgesetzten. Wie ist die Haltung und Kultur dazu an deinem Arbeitsplatz?

DARF ES NOCH EIN WENIG UNGEMÜTLICH SEIN?

#meetoo – der neue Umhang der Emanzipation?

Was heißt „sich emanzipieren“ und was hat das mit Grenzüberschreitungen zu tun? Braucht es Grenzüberschreitungen um eine Emanzipation auszulösen? Warum denken so viele nur an die Emanzipation der Frau seit den 60er Jahren? Emanzipation heisst doch ganz unge-gendert (nur) dass man sich befreit, verändert, etwas bewegt.

Das Thema Grenzüberschreitung und Differenzierung auf Grund von Geschlecht im Job ist moralisch so klar definiert! Jeder weiß, man soll Männer und Frauen gleich behandeln. Doch der Arbeitsalltag sieht (immernoch) oft anders aus. Warum ist also das, was oberflächlich in den Köpfen ist, noch oft nicht im Herzen und somit im Handeln angekommen. Warum habe ich eher die Hand vom besoffenem Mann im Partyzelt an meinem Arsch und niemals wenn der gleiche Mann nüchtern ist?

Besteht also überhaupt ein eigenmotiviertes Interesse daran Frauen und Männer als gleichwertig anzusehen? Oder ist es rein gesellschaftlich vorgegeben und somit extrinsisch motiviert und damit nur bis zu einem gewissen Grad umgesetzt?

Puh, einge pauschal angelegte Fragen lose in den Raum geschmissen…Impulse für euch.

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* 30.07.2014 Federführender Autor aller Improwe Blogs.

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